Wie sehen wir das?

15. 4. 2020

Kateřina Černá, Chefredakteurin

Mein Lebensort hat sich auf Zeit geändert. Ich habe die Großstadt gegen ein Haus am Wald eingetauscht. Ich arbeite weiter intensiv, wie ich es gewohnt bin, aber näher bei den Eltern, Kindern und meinem Mann. Näher zu mir selbst. Mir wird jeden Tag aufs Neue bewusst, was wirklich wichtig für mich ist. Und ich vermag, Stille zu schätzen…

Danuše Siering, Herausgeberin

Drucken wir? Drucken wir nicht? Bis zum letzten Moment schwebte diese Frage wie ein Damoklesschwert über meinem Kopf. Trotz der nicht wenigen Hindernisse halten Sie jetzt die Ausgabe der N&N in den Händen. Mein Dank gebührt der gesamten Redaktion und allen, die uns bei der Herausgabe geholfen haben.

Zum jetzigen Zeitpunkt glaube ich nicht mehr an eine globale Lösung oder Gipfeltreffen; interessiere mich nicht für Greta, Gender-Diskussionen, Car-Sharing oder Frauenquoten in Firmen. Die Realität ist heute eine völlig andere. Jeder Staat, jede Stadt und Familie, jeder Mensch ist für sich selbst verantwortlich. Und trotzdem sind heute mehr denn je Zusammenhalt, Großzügigkeit und Einsatz, wie viele „namenlose“ Menschen derzeit vormachen, gefragt. Die Hauptrolle spielt ein gesunder Kern, Menschen, von denen die Gesellschaft am Laufen gehalten wird, und solche, über die man bislang nur am Rande berichtet hat: Gesundheitspersonal, Feuerwehrleute, Polizisten, Verkäuferinnen usw. Die Krise reduziert die Realität auf das Wesentliche. Und darüber werden wir auch weiterhin schreiben. Ich weiß nicht, wann die Sommerausgabe von N&N erscheint, wir lassen Sie es wissen!

Barbora Vojtová, Redaktion und Produktion

In mir mischt sich ein Gefühl von Hilflosigkeit angesichts der traurigen Gegenwart, gleichzeitig Verständnis für den harten Akt der Natur, die sich der Mensch zu Unrecht untertan gemacht hat, aber auch Hoffnung in die Etappe, die kommt, weil ich glaube, dass die Gesellschaft aus dieser „Erschütterung“ demütiger, kluger und bewusster herausgeht.

Karin Zadrick, Redaktion und Art Director

Alles wiederholt sich. Alles ist wieder zum Stillstand gekommen. Zumindest für eine Weile. Damit wir aufblühende Blumen atmen hören können. Und in dieser Stille und Ruhe Zeit haben für Dinge, die wir in unserem ständigen Stress und Konsum nicht mehr wahrnehmen. Wunderschön hat es William Blake auf den Punkt gebracht: „Um die Welt in einem Sandkorn zu sehn und den Himmel in einer wilden Blume, halte die Unendlichkeit auf deiner flachen Hand und die Stunde rückt in die Ewigkeit.“

Jan Siering, Redaktion und Vertrieb

Meine Generation lebt in einer Welt der Freiheit, wie sie wohl noch nie eine Generation vorher erlebt hat. Wir können heute alles tun, alles haben. Wir entwickeln uns mit einer derart unvorstellbaren Geschwindigkeit fort, dass die grundlegenden Dinge unseres Glückes selbstverständlich geworden sind. Vielleicht braucht es gerade so eine Krise, damit wir die Werte neu definieren, und dafür gibt es nichts Besseres, als sich nach Glück zu sehnen.

Tereza Vacková, Redaktion und Verwaltung

Abgesagte Reisen und gesellschaftliche Aktivitäten bedaure ich natürlich. Das ist etwas, was wir nicht gewöhnt sind. Andererseits sind wir auch Aufnahmen vom sich reinigenden Planeten nicht gewohnt. Vielleicht ist es an der Zeit, seine Gewohnheiten zu überdenken.

Veronika Hong, Redaktion

Man muss in dieser komplizierten Zeit auch das Positive sehen. Der Planet durchläuft nachweislich einen Reinigungsprozess, Tiere kehren dorthin zurück, wo sie seit Jahrzehnten verschwunden waren, die Menschen befassen sich mehr mit sich selbst, und wegen des Mundschutzes sparen die Frauen den Lippenstift. Wir müssen aber auch an jene denken, für die die ganze Situation existenzzerstörend ist.

Tim Kernnis, Redaktion

Die Welt wird still gelegt, und man schaut zum Teil hilflos zu. Neue Probleme erfordern neue Lösungen. Zusammenhalt ist in dieser schwierigen Zeit gefragt. Gemeinsam schaffen wir das!

Veronika Jonášová, Mitarbeiterin

Mein Leben hat sich von Grund auf geändert, und es fällt mir schwer, von meiner Familie in der Tschechischen Republik abgeschnitten zu sein. Aber alles hat auch seine guten Seiten: Ich kann meine Gedanken und Prioritäten ordnen. Und wir sind alle zusammen zu Hause und befassen uns mit uns selbst. Das ist das Wichtigste daran.

Natascha Kames, Mitarbeiterin

Ich habe das Gefühl, das „Die Welt von gestern" diese Katastrophe herbeigerufen hat. Noch mehr produzieren, noch billiger und über Leichen. Jetzt haben wir eine Chance, alles neu und vernünftig zu ordnen.

Marcela von Kayser, Mitarbeiterin

Unser alltäglicher menschlicher Kreislauf ist angesichts einer unsichtbaren Gefahr für unbestimmte Zeit zum Stillstand gekommen. Gleichzeitig haben wir die Möglichkeit, uns auf das Wesentliche zu konzentrieren. Und wir stellen unter anderem fest, dass Solidarität, Rücksichtnahme und Eigenverantwortung sowohl in der Familie als auch unter Freunden, in der Gesellschaft und im Geschäftsleben keine leeren Worte sind. Corona zeigt die Fragilität unserer Existenz und gibt uns die Chance, über unsere Zukunft nachzudenken.

Michal Provazník, Mitarbeiter

Ich versuche, die positiven Seiten zu sehen, aber aus der Sicht eines Reisenden, der praktisch für mehrere Wochen in einem Land eingesperrt wurde, ist das schwer. Ich lese ständig die Nachrichten, und obwohl an der tschechischen Regierung und dem Krisenstab Kritik geübt wird, bewundere ich die Koordiniertheit der Einsatzkräfte, die Arbeit der Ärzte und Krankenschwestern, aber auch der Kraftfahrer, Verkäuferinnen und Freiwilligen. Man mag von den Tschechen halten was man will, aber ich habe das Gefühl, dass wir in schweren Zeiten zusammenhalten. Ich glaube aufrichtig an eine baldige Lösung der Situation und Rückkehr der Welt zur Normalität.