WeTravel — Frankreich ländlich

4. 11. 2019

Es gibt zwei Länder, in denen ich mich frei fühle. Das sind Polen und Frankreich. Ein gemeinsames Merkmal beider Völker sind Nationalstolz und das Wissen um die eigenen Wurzeln, die Werte von Traditionen. Ich liebe Reisen ohne ein genaues Ziel, ich liebe den Zufall und besondere Situationen, die nur eintreten können, wenn man keinen Plan hat und sich nicht anstrengt. Ich mag das Gefühl, eine andere Luft zu atmen und mich vom Klang einer Sprache, die man nicht perfekt beherrscht, entführen zu lassen. Die wunderbarsten Momente sind für mich Momente der Einsamkeit in einem fremden Land, das Herumstreichen und das Verfließen mit dem Umfeld, der Moment, in dem man zu einem unsichtbaren Beobachter wird. Die Reise ins französische Marcigny war anders. Es gab einen genauen Plan, und der Zweck der Reise war absolut klar. In der Atmosphäre der Kleinstadt, die von einer zauberhaften Natur umgeben war, hätte man gut und gern auch meine übliche Herangehensweise an das Reisen praktizieren können, doch diesmal freute ich mich auf ein Erlebnis in Verbindung mit der französischen Marke Emile Henry, deren Geschirr ich regelmäßig in der Prager Verkaufsstelle Potten Pannen besorge. Ich liebe Funktionalität und die frohen Farben des Steingutgeschirrs, das den Temperaturen im Gefrierschrank, in einem heißen Ofen und dem harten Umgang meiner Söhne standhält. Nie wird aufhören mich zu faszinieren, welch großartige handwerkliche Arbeit da von der Marke, die schon fast 170 besteht, geleistet wird. Bei guter Keramik aus Burgund ist auf der Unterseite sogar der Name des Handwerksmeisters eingraviert, der das Stück per Hand gefertigt hat. Ich bin stolz darauf, dass die Backpfanne Emile Henry, in der ich heute das Mittagessen serviert habe, auf der Unterseite gerade meine Initialen eingraviert hat. Ich hatte die Gelegenheit, Teil des Prozesses zu werden und jeden Schritt von der Gestaltung des Modells über die Herstellung der Formen, die Verarbeitung des Gussgemischs, die Säuberung der Erzeugnisse bis hin zur Entnahme aus der Form, zum Glasieren und zum Brennprozess zu verfolgen. Der Abend stand dann im schlemmerischen Geiste und im Zeichen französischer Rezepte. Am meisten faszinierte mich die Tarte Tatin, in die es mir gelang, ein Drittel mehr Butter einzuschleusen, als in der Rezeptur stand. Ich weiß nicht, ob es durch das Geschirr von Emile Henry kam oder durch die Butter, doch diesen Geschmack vergesse ich wahrscheinlich ebenso wenig wie das altertümliche Himmelbett in der Villa Leonie, die für zwei Tage meine Heimstatt war.

 

Text und Foto Kateřina Černá