RTL „lieh“ sich das Format des Films V síti: Unter normalen Umständen würde es mich freuen, sagt der Regisseur Vít Klusák

Am Mittwoch, den 10. März hatte der tschechische Dokumentarfilm V síti von Vít Klusák und Barbora Chalupová seine TV-Premiere. Der Film in realen Kulissen und mit realen Schauspielerinnen, die sich für zwölfjährige Mädchen ausgeben, zeigt, wie es mit sexuellen Prädatoren im Internet aussieht. Zufällig strahlte ein sehr ähnliches Format am Montag, den 8. März der deutsche Fernsehsender RTL aus. Derselbe RTL, der sich im Januar für das tschechische Dokument interessierte. Was sagt dazu der Regisseur Vít Klusák und was möchte sein Team unternehmen?

15. 3. 2021

Vít Klusák, Foto: Flowee.

Wie haben Sie eigentlich von dem RTL-Format erfahren?

Einen Tag vor seiner Aufführung in Deutschland sahen wir den Trailer. Am Montag strahlten sie den ganzen Film aus. Es handelte sich eigentlich um eine zusammengesetzte Sendung, an deren Ende über das Problem Experten und andere Personen sprachen.

Die ersten dreißig bis vierzig Minuten waren aber praktisch gleich. Gleiche Kulissen, dasselbe Bühnenbild, Schauspielerinnen, welche die zwölfjährigen Mädchen darstellten, auch das Licht, das Make-up, das, wie sich mit ihnen der Filmstab unterhielt – kurz gesagt die gleichen formalen Merkmale.

Im Tschechischen Rundfunk sagten Sie, RTL habe mit Ihnen darüber gehandelt, dass sie den Dokumentarfilm kaufen würden.

RTL meldete sich am 19. Januar, dass sie Interesse an unserem Dokumentarfilm hätten, und sie könnten ihn in die Sendung für Deutschland und Europa eingliedern.

Wir schickten ihnen also den Screener, was eine Kopie des ganzen Films ist, welche wegen dem Schutz ein Wasserzeichen hat. Dann meldete sich lange Zeit niemand bei uns. Deshalb kontaktierten wir sie und fragten, wie es mit dem Film aussieht. Sie antworteten, sie wollen ihn nicht. Sie wollten ihn offenbar deshalb nicht, weil sie sich einen eigenen Film machten und ihn ausstrahlten.

Was können Sie damit jetzt machen?

Wir möchten es friedlich klären. Unter normalen Umständen würde es uns gefallen, dass RTL der Film interessiert und sie das Format abgeschrieben haben. Es würde uns eigentlich auch freuen. In Deutschland handelt mit uns aber noch eine Produktion, welche auch Interesse an allen Unterlagen hatte, die wir zum Film haben, d. h. Akten, Gutachten von Experten, der Polizei u. Ä. Wir sollten ihnen das Ganze als Paket anbieten, das sie in Kinos auf der ganzen Welt verbreiten würden.

Für uns wäre es nicht nur wegen der Verbreitung unserer Botschaft, sondern auch als Finanzquelle attraktiv. Wir könnten diese Mittel z. B. für einen neuen Dokumentarfilm nutzen. Diese Produktion begann schon mit den Vorbereitungen für das ganze Projekt. Als sie jedoch sahen, dass dasselbe RTL gemacht hat, zogen sie sich aus dem Projekt zurück. Es stört sie, dass unser Format jetzt nicht mehr originell ist.