Quo vadis, Na Poříčí

Die Prager Straße Na Poříčí ist ungefähr 600 Meter lang und wurde nach der Siedlung Poříčí („Am Fluß“) benannt, die zu den ältesten besiedelten Gebieten Prags gehört. Welchen Problemen sieht sie sich heute ausgesetzt und wie nimmt Marek Tichý vom Studio TaK sie wahr?

19. 5. 2020

Heute ist diese Straße ein attraktives Lehrbuch der modernen Architektur, das Objekte wie das zur damaligen Zeit modernste Kaufhaus in Europa, Bílá Labuť, das Legiobanka-Gebäude, die Palais AXA und YMCA oder das berühmte Art-Déco-Hotel Imperial beherbergt. Außerdem bietet Na Poříčí bis heute einen hohen Prozentsatz von Wohnhäusern, die dauerhaft bewohnt sind, aber auch eine hohe Konzentration an Arbeitsplätzen – täglich gehen mehr als 30.000 Menschen durch diese Straße! Sie hat in fast ihrer gesamten Länge einen stadtbildenden Charakter, oder zumindest das Potential dazu. Aber sie hat auch einen Minuspunkt – die Stadt kümmert sich nicht aktiv um ihre Weiterentwicklung.

Schon 2009 wurde in einer Prüfstudie ein Entwurf zur Revitalisierung der Straße Na Poříčí ausgearbeitet. Derzeit – also zehn Jahre später – ist das Projekt in der Phase der Dokumentationsvergabe für den Raumplanungsbescheid. Der Änderungsentwurf geht von dem Bedürfnis aus, den Komfort und die Attraktivität der Straße für Fußgänger zu steigern; es soll hier zu einer Reduzierung des Transitverkehrs im Zusammenhang mit Anpassungen der angrenzenden Straßen und zur Senkung des Verkehrsflusses kommen. In diesem Hinblick wurde die Studie unter Verwendung von Daten ausgearbeitet, die vom Prager Stadtplanungsinstitut IPR erfasst und im Verlauf der letzten Jahre von den Verkehrsabteilungen des Stadtteils und der Hauptstadt beurteilt wurden.

Die Notwendigkeit, das Gebiet um Na Poříčí zu revitalisieren, wird auch von der Bürgerinitiative GoFlorenc deutlich gemacht, die 2015 zu diesem Zweck entstand. Ihr Ziel ist es, Änderungen zu erzielen, die den Standort nicht nur für Besucher und Touristen attraktiv machen, sondern insbesondere für die Menschen, die dort leben und arbeiten.

Auf welchem Stand die Revitalisierung jetzt ist, haben wir Ing. arch. Marek Tichý vom Studio TaK gefragt, der seit mehr als zehn Jahren an dem Projekt mitarbeitet.

Welche Schritte halten Sie für wesentlich, damit die Menschen glauben, dass es wirklich in absehbarer Zeit zu Veränderungen kommt?

Ich halte den Beginn der Projektvorbereitung und insbesondere die Einleitung der entsprechenden Verwaltungsverfahren für wichtig, insbesondere das Raumplanungsverfahren und die anschließende Baugenehmigung, falls diese erforderlich sein wird. Ich denke, wenn die Öffentlichkeit weiterhin Interesse zeigt und der Stadtteil und der Magistrat sich bezüglich der Zweckmäßigkeit dieser Investition einig sind, kann die Erteilung der entsprechenden Genehmigungen der Auslöser für den Beginn der Umsetzung sein.

Ihre zeitliche reale Schätzung des Abschlusses?

Ich traue mir nicht zu, das abzuschätzen. Das Projekt ist im Prinzip nicht viel komplizierter als die, die auf dem Gebiet der Prager Innenstadt in den letzten Jahren realisiert wurden. Der Beginn verzögert sich aber schon lange.

Können Sie unseren Leserinnen und Lesern die Vision eines erfahrenen Urbanisten mitteilen, wie Na Poříčí einmal aussehen könnte/sollte?

Ich sehe es als Priorität an, die Sicherheit und den Komfort der Straße für Fußgänger zu erhöhen, dadurch wird sicherlich auch die Attraktivität des Ortes erhöht. Grundlegend ist in dieser Hinsicht die Verkehrsberuhigung, die Verbesserung und Erweiterung der Aufenthaltsflächen, die Ergänzung von Stadtmobiliar, die Verbesserung der Qualität der Straßenbeleuchtung und auch Raum für Bäume. Na Poříčí soll wieder ein sichtbarer Stadtboulevard werden mit einem hochwertigen Umfeld nicht nur für Besucher – in seiner Umgebung gibt es neun Hotels –, sondern besonders für die Menschen, die dort leben und arbeiten.

Wir werden Sie über die weiteren Entwicklungen auf dem Laufenden halten. Die Ergebnisse eines Fragebogens, welche Änderungen sich die Öffentlichkeit hier wünscht, finden Sie unter www.goflorenc.cz.

Ing. arch. Marek Tichý hat die Architekturkanzlei TaK 2002 gegründet. Mit seinen 30 Kollegen hat er mehr als 60 Rekonstruierungs- und Umbauprojekte von denkmalgeschützten Objekten in Prag in seinem Portfolio. Neben dem Park Kampa, der Flussinsel Slovanský Ostrov oder dem Platz Anenské náměstí wird derzeit eine Umwandlung des Geländes in der Prager Innenstadt, an der Kreuzung von Pařížská und Dvořákovo nábřeží, vorbereitet. Die Suche nach einem authentischen architektonischen Ausdruck, einer Balance zwischen Denkmalschutz und den Anforderungen an moderne und funktionelle Bauwerke präsentiert die Kanzlei nicht nur im eigenen Schaffen, sondern auch in Profilausstellungen, Vorlesungen und Publikationen.

Mehr unter: tak2002.cz.