Ondřej Kobzas Green Hub

29. 5. 2019

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Was für eine Ausrichtung hatte Ihr Studium?
Ich habe Politik und Theologie studiert, keine Hotelschule. Dafür ahnte ich aber, wie man eine lustige Fete in der Wohnung veranstaltet.

Hat es im Rahmen der Wohnungspartys auch einmal einen Reinfall gegeben?
Nicht direkt. Ich kann mich aber an einen erinnern, als ich mit 18 eine Party zu Ehren von Jim Morrison veranstaltete. Alles war sorgfältig vorbereitet, überall hatte ich seine Texte aufgehängt, wollte einen Film und Musik spielen und dachte, das wird die Veranstaltung des Jahres. Also habe ich nur ein paar ausgewählte Leute eingeladen und gehofft, dass sie kommen. Leider kam am Ende nur ein Bruchteil von ihnen, das war also ein kleiner Reinfall.

Woher stammen Sie?
Aus Ústí nad Orlicí. Ich bin zum Studieren nach Prag gegangen und dann geblieben. Heute wohne ich abwechselnd in Prag und auf dem Dorf.

Was ist der Unterschied im Gemeinschaftsleben in der Stadt und auf dem Land?
Was das Gemeinschaftsleben anbelangt, das gibt es auch auf dem Dorf in Form von Fußball, Feuerwehrvereinen und so weiter. In der Stadt funktioniert es bisweilen nicht so gut, obwohl städtische Hipster in der Lage sind, dies mit einem Foto so zu verkaufen, dass manch einer denkt, das Gegenteil sei der Fall.

Was für eine Rolle spielt Grün in Städten – Farmen auf Dächern, vertikale Gärten…?
Es gibt Architekten, die meinen, Grün gehöre nicht in die Stadt. In gewisser Hinsicht haben sie recht. Manchmal kommt es mir tatsächlich übertrieben und unsinnig vor, wobei ich zu denen gehöre, die Grün in den Städten eher unterstützen. Es darf aber nicht kontraproduktiv sein, beispielsweise beim Wasserverbrauch. Alleen sollten außerhalb Prags gebaut werden, nicht an unnatürlichen Orten. Auch der Abhieb sollte nicht vergessen werden – beispielsweise im Prokopské údolí, das mit Akazien zuwächst, weshalb dort keine natürliche Vegetation entstehen kann, Wiesen, Schmetterlinge…

Was ist auf der Burg Pirkštejn los?
Dort bin ich seit nunmehr 4 Jahren zugegen. Manchmal organisiere ich eine Veranstaltung. Gestern kamen z. B. sieben Karmeliterinnen, am Wochenende will der Coach Marian Jelínek mit seinen Studenten hinfahren. Im Sommer findet dort u. a. eine Philosophieschule oder ein Konzert von Buty statt. Für die Zukunft ist eine Revitalisierung in Vorbereitung.

Schauen wir uns die Dächer von Lucerna an, wie läuft es dort?
Ab 19. Mai sind sie der Öffentlichkeit jeweils sonntags und montags ab 15 Uhr bis zum Anbruch der Dunkelheit zugänglich. Nach und nach füllen wir sie mit Grün auf, sammeln Regenwasser und veranstalten einmal in der Woche Vorträge. Kurzum, eine Art Green Hub. Außerdem bereiten wir eine Ausstellung über die Familie Havel vor. Darüber hinaus finden auf den Dächern verschiedenste Einmalaktionen statt, wie Joga oder Konzerte.

Stören einige der Dachveranstaltungen nicht die Umgebung?
Nein, wir organisieren nur akustische Veranstaltungen.

Wie empfinden Sie Hausdächer und ihre Atmosphäre im Allgemeinen?

Man ist gewissermaßen zwischen Himmel und Erde und kommt auf andere Gedanken. Mir scheint, dass man Abstand gewinnt. Es ist eine Art offene Inspiration, die man hier aufnimmt. Ich denke, in Zukunft wird sich das Leben viel stärker auf Dächern abspielen, die durch Stege miteinander verbunden werden. Genauso, wie es Passagen, also Hausdurchgänge, gibt, werden solche Wege auch in Häuserkronen entstehen. In zehn Jahren wird es sicher soweit sein.

Was beschäftigt Sie momentan am meisten?
Das Dach von Lucerna, obwohl paradoxerweise die meiste Arbeit im Winter anfällt, weil alles vorbereitet werden muss. Ich schreibe auch regelmäßig für die Zeitschrift Reflex. Das macht mir viel Spaß, darüber hinaus bereite ich ein Programm für sie vor.

Wo holen Sie sich Inspiration, auf Reisen?
Man muss nicht unbedingt reisen, aufmerksam zu sein, reicht aus. Auf dem Land kann man viel aufnehmen. Ich denke, man sollte allgemein weniger reisen. Einerseits ist es umweltschädlich, und dann habe ich das Gefühl, dass es in gewisser Weise um die Ausbeutung des betreffenden Standorts geht. Ich mag dieses Instantreisen nicht. Es führt dazu, dass man nicht dort verwurzelt ist, wo man lebt, deshalb macht es dort auch keinen Spaß. Man sollte anfangen, das Lokalkolorit intensiver zu erleben, die lokale Landschaft zu formen. Letztendlich würde man viel mehr erleben.

Weitere Informationen über Veranstaltungen auf den Dächern von Lucerna unter: facebook.com/strechalucerny/

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Text Barbora Vojtová Foto Bára Prášilová