“Messe in St.Agnes“ lockt Kunstliebhaber nach Berlin

In diesem Jahr veranstaltet die renommierte Berliner Galerie König eine kleine Kunstmesse in der entweihten St. Agnes-Kirche. Die Stars, u.a Martin Kippenberger, Albert Ohlen, Rainer Fetting, Jiri Georg Dokoupil und Rosemarie Trockel, aber auch die zweite und dritte Reihe der „Jungen Wilden“. Bereits ab tausend Euro kann man ein kleines Kunstwerk von hoher Qualität kaufen.

27. 7. 2021

Messe in St.Agnes. Foto: Roman Maerz.

Corona hatte im vergangenen Jahr den Kalender für Kunstmessen durcheinander gewirbelt. Als die Pandemie im Februar/März 2020 in Europa und USA ausbrach, war man noch optimistisch und verschob alle wichtigsten Messen auf den Herbst des Jahres. Als mit steigenden Indizienzahlen fast wöchentlich Nachrichten über erneute Verschiebungen oder Absagen kamen, war spätestens im Mai absehbar, dass keine der wichtigsten Kunstmessen zwischen Basel, Madrid, Paris, London, New York und Miami 2020 stattfinden wird. Die großen und etablierten Kunstmarkt-Player haben zügig weltweit auf online Präsentation und Verkauf umgeschaltet, für die kleinen Gallerien war es viel schwieriger, die Kunden online zum Kunstkauf zu bewegen und viele kämpften um ihr Überleben.

Ein mutiger Schritt von Johann König

In dieser mehr als schwierigen Situation für zeitgenössische Kunst hatte es die namhafte Galerie König dennoch nach dem ersten Lockdown in Juni 2020 gewagt, mit einer neuen Kunstmesse im Kleinformat in Berlin auf den Markt zu kommen. Die Idee für diese Messe entstand zunächst als Solidaritätsakt und Angebot gegenüber kleineren, nicht nur berlinischen Galerien, denen es ermöglicht werden sollte, in den Räumen der Galerie König, einer der weltweit bestvernetzten und etabliertesten Galerien überhaupt, Werke ihrer Künstler zum Verkauf anzubieten. Sie sollte auch ein gewisser Ersatz für die ausgefallene Art Basel Messe bilden. 

Messe in St.Agnes. Foto: Roman Maerz.

Die Räume der Galerie, die ehemalige bereits vor Jahrzehnten entweihte evangelische Kirche St.Agnes, großartig durch einen bekannten Architekten für Galeriezwecke umgebaut, bot dafür den bestmöglichen Rahmen. Die Initiative des immer ideenreichen Galeristen Johann König wurde damals ein wenig belächelt und zunächst nicht ernst genommen. Seine Kredibilität und Kompetenz auf dem zeitgenössischen Kunstmarkt hatte jedoch viele Galerien überzeugt, und es ist ihm in kürzester Zeit trotz der Pandemie gelungen, dass auch Privatsammler aus ganz Europa hochwertige Werke für die erste Kunstmesse in St.Agnes eingeliefert hatten. 

Das interessierte Publikum hatte in einer Zeit, in der die Kultur auf Null heruntergefahren wurde, die im Juni 2020 stattfindende Messe mit Begeisterung angenommen und zu einem großen, auch kommerziellen Erfolg werden lassen. Ein Novum war, dass alle Kunstwerke transparent mit Verkaufspreisen gezeigt wurden, was bei Kunstmessen normalerweise nicht üblich ist.

Eine Attraktion für Sammler

Zwischen 10.-22. August 2021 findet bereits die dritte Kunstmesse unter der Bezeichnung „Messe in St.Agnes“ statt. Wie mir die Direktorin der Messe die Kunsthistorikern Lena Winter, die Anfang 2021 vom größten deutschen Auktionshaus Ketterer zur Galerie König wechselte, mitteilte, ordnet man bei der diesjährigen Messe die zeitgenössische Kunst nach historischen Aspekten. Die kuratierte Präsentation wird in den Ausstellungsräumen thematisch nach inhaltlichen Verbindung zwischen den Kunstwerken gezeigt. 

Messe in St.Agnes. Foto: Roman Maerz.

Neben den internationalen etablierten Künstlern, liegt dieses Jahr die deutsche Kunst der letzten 30-40 Jahre im Focus. Die Stars, u.a Martin Kippenberger, Albert Ohlen, Rainer Fetting, Jiri Georg Dokoupil und Rosemarie Trockel, aber auch die zweite und dritte Reihe der „Jungen Wilden“, Kunst der DDR und auch für Sammler sehr interessante internationale junge Positionen werden ausgestellt. Die Kunstwerke werden wieder von Galerien und privaten Kunstsammlern aus ganz Europa kostenlos eingeliefert. Die Kunstinteressierten können die Messe auch online verfolgen. Bereits ab tausend Euro kann man ein kleines Kunstwerk von hoher Qualität kaufen.

Mit der „Messe in St.Agnes“ ist Johann König gelungen geschickt den Primärmarkt – die Verkäufe aus den Ateliers über Galerien- mit dem Sekundärkunstmarkt – Weiterverkauf durch Auktionshäuser oder Sammler- zu verbinden. Wir können noch gespannt bleiben, wie der umtriebige Galerist seine neue Kunstmarke weiter professionell ausbauen wird. Auf jedenfalls lohnt sich für Kunstliebhaber im August nach Berlin zu kommen.

Hier finden sie den Text in der tschechischen Sprache.