Lifefood

28. 11. 2019

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„Wir sehen uns eher als Organismus denn als Firma“, wie die Firmengründerin Tereza Havrlandová, mit welcher wir uns treffen, sagt.

Welche Leitidee steht hinter der Gründung des Unternehmens Lifefood?

Seit Anbeginn bestand meine Intention darin, den Menschen zu zeigen, dass man sich mit leckeren Gerichten und Lebensmitteln gesund ernähren kann. Das Unternehmen habe ich im Jahr 2006 gegründet, wo in der Gesellschaft überwiegend die Überzeugung bestand, dass gesundes Essen nicht schmeckt. Bereits einige Jahre vorher konnte ich mich in Amerika selbst davon überzeugen, dass Raw Food bzw. Rohkost gesund, äußerst abwechslungsreich und lecker ist. Ich war davon begeistert und habe dadurch meine Lebensweise verändert. Ich war überzeugt davon, dass, wenn die Menschen erfahren, dass man gesund und gleichzeitig lecker essen kann, alle garantiert davon begeistert sein werden.

Dies war also die Basis für Ihr unternehmerisches Vorhaben?

Ja, zu Beginn habe ich jedoch eher in Betracht gezogen, ein Bistro bzw. Restaurant zu eröffnen. Davon bin ich jedoch letzten Endes wieder abgekommen, da ich noch etwas durch die Welt reisen wollte. Letztendlich habe ich – auch aufgrund meiner Reise-Lebensphase – beschlossen, dass ich eher Waren aus dem Ausland nach Tschechien exportieren könnte. So habe ich 2006 damit begonnen, Waren wie beispielsweise ungeröstete Kakaobohnen, junge Gerste aus Neuseeland und Meeresalgen zu importieren sowie mit diesen Waren Handel zu betreiben. Ich habe dann jedoch festgestellt, dass sich hieraus kein generelles Business entwickeln lässt. Die Menschen können aus den frischen Zutaten und Rohstoffen zu Hause fast alles „raw“ zubereiten, aber dies ist sehr schwierig und vor allem sehr zeitaufwendig. Deswegen habe ich mir gedacht, ich beginne mit der Herstellung eines Snacks – von etwas Fertigem – was die Menschen einfach nur zu kaufen und zu essen brauchen. Zuerst war ich auf der Suche nach jemandem, der mir diese Produkte in Tschechien herstellen kann, habe jedoch letztendlich beschlossen, sie selbst herzustellen.

Was war Ihr erstes selbst gefertigtes Produkt?

Eine ausgezeichnete Schokoladencreme, welche seinerzeit aus Sesampaste, Kakaobohnen und Honig bestand. Kurz gesagt – so eine Art gesundes Nutella. Ich habe mich nach Produktionsräumen umgesehen, in denen wir dann auch die ersten getrockneten Cracker hergestellt haben. Im Jahr 2008 ist dann eigene Rohschokolade hinzugekommen, und ein Jahr später auch Riegel.

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Wodurch zeichnen sich Ihre Produkte aus?

Alles ist selbstverständlich roh, bio, natürlich, zuckerfrei, vegan sowie gluten- und laktosefrei. Auch frei von GVO, nach den Regeln der Paleo-Ernährung sowie manuell hergestellt. Was jedoch am charakteristischsten für uns ist, dass unsere Produkte sog. really raw sind. Heute gibt es auf dem Markt nämlich viele Produkte, wie als roh bezeichnet werden, jedoch in Wirklichkeit nicht roh sind. Beim Roh-Prinzip handelt es sich nämlich um Lebensmittel, welche bis zu einer Temperatur von maximal 42 bis 45 °C verarbeitet werden dürfen, damit so viel Nähr- und förderliche Stoffe wie möglich darin erhalten bleiben. Kurz gesagt – das meiste von dem, was die Natur dem Rohstoff beschert hat. Es geht vor allem darum, dass nicht nur das finale Produkt, sondern auch alle Produktkomponenten unter diesen Bedingungen hergestellt werden. Die Verarbeitung der klassischen konventionellen Trockenfrüchte erfolgt jedoch meistens über ein Verfahren, das nicht roh ist. So wird beispielsweise zum Knacken von Nüssen bis zu 200 °C heißer Dampf verwendet, getrocknetes Obst wird üblicherweise bei Temperaturen von 60 bis 80 Grad getrocknet. Im Rahmen der konventionellen Produktion gibt es praktisch fast keine rohen Rohstoffe. Bei BIO ist dies möglich, jedoch sind hierfür Speziallieferanten erforderlich, mit denen Spezialverträge abzuschließen sind, da die standardmäßige Lieferung nicht roh ist. Das Ganze ist dann natürlich auch teurer.

Sie waren der Auslöser dafür, dass man in Tschechien begonnen hat, über Raw Food zu reden und es zu essen. Stimmt das?

Man kann sagen, dass wir es waren, die Roh-lebensmittel – also eine absolut neue Kategorie – nach Tschechien gebracht haben. Und dies nicht nur im Inland, sondern auch europaweit. Heute exportieren wir u. a. auch in die arabischen Länder – hauptsächlich in die Vereinigten Arabischen Emirate, nach Saudi Arabien und Katar. Aber wir beginnen auch mit dem Export nach Hongkong, Japan, China und nach Taiwan.

Was ist der aktuelle Trend?

Superfoods – wir haben eine eigene Reihe, wo wir immer etwas Zusätzliches anbieten, wie beispielsweise grüne Gerste, Guarana bzw. Acai. Am besten laufen derzeit jedoch Pro-teinriegel. Hiervon sind der Himbeerriegel, der Nussriegel sowie der Waldfruchtriegel am populärsten.

Was sind Ihre Top 3 unter den beliebtesten Produkten?

Der Schoko- und der Kokosriegel. Diese befinden sich eigentlich auf all unseren Märkten auf Platz eins. Auf Platz 3 – jedoch sehr weit abgeschlagen hinter Nummer 1 und 2 – ist der brasilianische Riegel zu finden.

Welche Unterschiede bestehen zwischen dem deutschen und dem tschechischen Markt?

Den größten Unterschied sehe ich bezüglich „Bio“. In Spezialgeschäften/Reformhäusern werden in Tschechien Produkte angeboten, die nicht über Bioqualität verfügen. Dies gibt es in Deutschland nicht. Viele Verbraucher sind der Meinung, dass die Kennzeichnung „natural“ analog der Kennzeichnung „Bio“ ist, und kaufen somit logischerweise das, was billiger ist. Dies ist in den meisten Fällen eben „natural“ – also in Wirklichkeit etwas völlig anderes. In Deutschland gibt es so etwas nicht. Die tschechischen Händler sollten kurz gesagt verantwortungsvoller mit Bio-Produkten umgehen bzw. sich verantwortungsvoller gegenüber seinen Kunden verhalten und die Qualität „natural“ in Spezialgeschäften überhaupt nicht anbieten. Dies ist unterm Strich gesagt praktisch das Gleiche, was man in Supermärkten als konventionelle Lebensmittel kauft.

Worin besteht Ihr Vorteil gegenüber der Konkurrenz?

Aufgrund unserer bisherigen Erfahrungen und Entwicklung wird „raw“ in unserem Unternehmen tatsächlich gelebt. Bei den anderen auf dem Markt vertretenen Firmen handelt es sich meistens nur um ihr Geschäftsprojekt. Ich sehe uns auch als Innovator, der Neuheiten auf den Markt bringt. Aufgrund der kompromisslosen Kriterien bezüglich höchster Produktqualität haben unsere Erzeugnisse einen unvergleichlich höheren Nährwert für den menschlichen Körper.

Wie sehen die weiteren Pläne bei Lifefood aus?

Wir möchten unsere Produkte in tschechischen und deutschen Handelsketten verkaufen. Die Zeit arbeitet für uns. Die Spezialgeschäfte verschwinden. Vielleicht auch deswegen, weil die Supermärkte immer mehr gesunde Bio-Produkte – also auch Rohprodukte – anbieten. Und kleine Geschäfte haben nichts davon, wenn sie konventionelle Lebensmittel und Ware anbieten, die in Supermärkten sowieso billiger ist. Für die Kunden ist es viel bequemer, alles an einem Ort einzukaufen. Viele Jahre haben wir uns dagegen gewehrt, um kleine Geschäfte zu unterstützen. Aber im Lauf der Zeit hat sich dies so stark verändert, dass es äußerst fatal wäre, nicht in Handelsketten vertreten zu sein.

Kann man heute in Tschechien „raw“ leben?

In Bezug auf die Verfügbarkeit von Rohstoffen, Zutaten und Produkten, ja. Zumindest in den Städten. Die Frage ist, ob man das körperlich aushält. Ich bin überzeugt davon, dass vor allem sehr viel Obst und Gemüse die notwendige Grundlage für eine gesunde Ernährung bilden sollte. Bei unseren Produkten handelt es sich jedoch eher um Snacks, die eine Ergänzung des Speiseplans darstellen sollten. Und logischerweise gibt es im Winter einerseits viel weniger hochwertiges Obst und Gemüse, andererseits stellt kaltes Essen für viele Menschen – auch für mich – im Winter ein Problem dar. Aus diesem Grund entscheide ich mich im Winter lieber für einen strategischen Rückzug.

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Text Barbora Vojtová