Leinemann collection

9. 4. 2019

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Eva und Ralf Leinemann haben ihre Sammlung „Leinemann Collection“ seit 2005 zusammengetragen. Die Vollblut-Juristen vertreten in Deutschland die Rechte großer Baufirmen, Architekten und Immobilienagenturen. „Als wir vor 10 Jahren begannen, uns mit der Idee der Gründung einer Stiftung zu befassen, bestand unser Ziel von Anfang an darin, die Ausbildung und junge Künstler zu fördern“, sagt die Vorsitzende des Vorstandes der Stiftung Dr. Eva-Dorothee Leinemann. „Sie sollte eine angenehme Ergänzung unseres Privat- und Arbeitslebens sein“, fügt ihr Partner Prof. Dr. Ralf Leinemann hinzu. Ich schaue mich in ihrer Kanzlei in der Friedrichstraße um, und mir wird sofort klar, dass sie diesen Traum erfolgreich umsetzen. Die beiden Etagen an der besten Adresse Berlins erinnern eher an eine Galerie als eine der Top-Kanzleien Deutschlands. Keine Porträts, Phantasiedarstellungen oder Landschaften, sondern in erster Linie Motive aus der Architektur. Und nicht wenige von ihnen tragen den Namen eines tschechischen Autors.

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Wie entstand die Idee, einen Preis Ihrer Stiftung für junge Künstler in der Tschechischen Republik auszuschreiben?
Eva: Mit der Idee kam ein Freund, der österreichische Künstler Markus Huemer. Er hatte lange eine Professur in Prag, und er ist es auch gewesen, der die Brücke zwischen uns und der Akademie der Bildenden Künste in Prag geschlagen hat. 2009 fand die erste Ausschreibung statt, dann eine weitere in Dresden und jetzt, für das Wintersemester 2018/2019, haben wir einen dritten Wettbewerb, erneut mit der Prager Kunstakademie, ausgeschrieben.

Wie läuft die Ausschreibung ab?
Ralf: Die Ausschreibung hat klare Regeln. Anmelden kann sich jeder Student oder frische Absolvent der Akademie. Immer kommen um die 50 Einsendungen, wobei die Akademie eine Short-List von 15 Künstlern auswählt. Eine tschechisch-deutsche Jury bestimmt dann drei Preisträger, die 4 000 Euro Preisgeld erhalten.

Wissen Sie, was die Preisträger mit dem Geld machen?
Eva:
Nein, das ist ihre Sache. Ich hoffe aber, dass sie Material einkaufen, in ihre Zukunft investieren… ich glaube nicht, dass sie mit dem Geld in Urlaub fahren (lacht). Aber wir tun das alles auch, damit der Wettbewerb für die übrigen Teilnehmer einen Nutzen bringt. Wir veranstalten eine Ausstellung für sie, geben einen Katalog heraus; die Studenten können ihn zum Beispiel ihrer Oma zeigen, auch das ist eine große Freude.

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Worin sehen Sie den Unterschied zwischen Arbeiten tschechischer und deutscher Studenten?
Ralf: Es ist wahr, dass es einen gewissen Unterschied gibt. Die tschechische Kunstschule ist sehr klassisch, das ist gerade bei den Studentenarbeiten erkennbar. Die deutsche Schule hingegen ist viel freier, dort wird mehr improvisiert, Experimentieren ist erlaubt. Die Arbeiten der tschechischen Studenten finde ich aber sehr gut. Manch einer würde vielleicht sagen, dass die Schule in Prag zu sehr klassisch und in Deutschland wiederum zu wenig klassisch ist. Schwer zu sagen, welcher Weg der richtige ist.

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Tomas, was haben Sie für die Besucher im Tschechischen Zentrum vorbereitet?
Wir stellen alle fünfzehn tschechischen Künstler von der erwähnten Short-List des Leinemann-Preises vor, selbstverständlich einschließlich der Sieger. Darüber hinaus haben wir beschlossen, auch zwei junge, wenngleich etwas erfahrenere Künstler aus Berlin hinzuzuziehen. Konkret handelt es sich um Julius von Bismarck und Andreas Greiner, der auch bei uns bekannt ist und aktuell in der Meet Factory ausstellt. Auch sie sind Künstler, die von den Leinemanns in der Vergangenheit unterstützt wurden.

Hatten Sie auf Ihrem Stiftungsweg ein Erlebnis, das Sie so richtig überrascht hat?
Ralf:
Ja, ein sehr unerwartetes. In Dresden gewann den 3. Preis eine Plastik von Marcel Waldorf mit dem Titel „Pinkelnde Petra“, die in Lebensgröße eine urinierende Polizistin darstellt. Die Bildzeitung hat den sächsischen Innenminister gefragt, was er über die Plastik denkt, und er erklärte vehement, dass dieses Werk in der Kunst völlig unakzeptabel sei. So hatten wir einen kleinen Kunstskandal, über den alle europäischen Art-Feuilletons geschrieben haben. Wenn wir heute bei irgendeiner Kunstinstitution anrufen, bekommen wir oft zu hören – ach, Sie sind die mit der Polizistin?

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Tschechisches Zentrum Berlin
Leinemann Kunstpreis — Tschechische Malererei der Prager Kunstakademie AVU trifft auf Andreas Greiner und Julius von Bismarck

Beginn: 25. 04. 2019, 19 Uhr 
Geöffnet 26. 04.—05. 06. 2019, Di–Sa 14–18 Uhr 
+ Gallery Weekend Berlin geöffnet am Sonntag, 28. 04. 2019, 14–18 Uhr

Text Danuše Siering