Ein Dokumentarfilm über Karel Gott: Er hat von Anfang an Rekorde aufgestellt

Mit einem Jahr Verspätung aufgrund der Pandemie und fast zwei Jahre nach dem Tod von Karel Gott kam am 7. Oktober der zweistündige Dokumentarfilm Karel über den tschechischen Popstar in die tschechischen Kinos. Er wurde an seinem ersten Wochenende gleich in 240 Kinos gezeigt, was einen bisherigen Rekord darstellt. Auch viele Fans aus Deutschland reisten zur Premiere in die Tschechische Republik.

11. 10. 2021

Karel Gott. Foto: Shutterstock

Der Dokumentarfilm, der Karel Gotts Kampf mit seiner Krankheit und den Moment, in dem er die Behandlung aufgab, zeigt, sollte ursprünglich am ersten Todestag des Sängers aufgeführt werden. Der Film wurde von der renommierten Regisseurin und Kameramann Olga Malířová Špátová mit dem berühmten Sänger und seinen Angehörigen gedreht. „Olga hat eine große Gabe, mit ihrem engen Team zu filmen, so dass wir uns oft von der spontanen Atmosphäre mitreißen ließen und sie ganz selbstverständlich in unsere Privatsphäre einließen, was mir erlaubte, über ganz intime Themen zu sprechen. Mit meinem Mann, dem Kameramann Jan Malíř, wurden sie tatsächlich Teil unserer Familie“.

Der Film wurde im Laufe eines Jahres gedreht. Olga Malířová Špátová filmte Gott hinter der Bühne bei Konzerten, bei Treffen mit Fans, mit seiner Familie in ihrem Prager Haus oder im Wochenendhaus.

Von sieben auf zwei Stunden gekürzt

Über die Entstehung des Films sagte die Regisseurin unter anderem, dass der Dokumentarfilm nach dem ersten Schnitt über sieben Stunden lang war, und sie erzählte von den Qualen, die sie beim Kürzen auf eine angemessene Länge begleiteten. „Ich sehe immer Szenen, die es nicht gibt. Man entscheidet mit dem Herzen, es gut, aufregend und abenteuerlich zu machen“, verriet sie in einem Interview mit dem Tschechischen Fernsehen.

Die erwartete spätere Veröffentlichung des Films mit deutschen Untertiteln wird auch in der Bundesrepublik erwartet, wo Karel Gott eine große Fangemeinde hat und die Deutschen sich Gott geradezu angeeignet haben (wie z.B. die Überschrift auf Schlager.de mit unfreiwilligem Witz andeutet: „Karel Gott war nicht nur in Deutschland ein Star“. Immerhin waren bei der Galapremiere in Prag auch Vertreter des deutschen Fanclubs anwesend, die keinen Hehl daraus machten, dass auch Deutsche in die tschechischen Kinos gehen.

Der erste deutsche Fanclub im Jahr 1975

Während der kommunistischen Ära hatte der tschechische Sänger Erfolg in West- und Ostdeutschland. Das Lied von Gott aus der Kinderserie über die Biene Mája wurde für Generationen unvergesslich. Der erste Gott-Fanclub in Deutschland wurde 1975 in Wuppertal gegründet.

Aus der Geschichte von Gott. Foto: Shutterstock

Ende der 1960er Jahre begannen westliche Musikproduzenten, die „goldene Stimme“ aus Prag kennen zu lernen. Im Jahr 1967 veröffentlichte er sein erstes deutschsprachiges Album Weißt du wohin. Es folgten außergewöhnliche Erfolge: Karel Gott trat in Las Vegas auf, tourte durch Europa, hatte eine eigene Sendung im ZDF und gewann den „Goldenen Löwen“ bei Radio Luxemburg. Eine seiner Sternstunden war die Eröffnung des traditionellen Weihnachtsmarktes auf dem Frankfurter Römerberg mit einer Darbietung von deutschen Weihnachtsliedern.

Es war das Lied „Weißt Du wohin“, das seinen ersten Fanclub in Deutschland ins Leben rief. „Als ich das Lied im Radio hörte, war ich von dieser schönen Stimme regelrecht infiziert“, erinnert sich Heidi Bergman, die Gründerin des Clubs, an die Wuppertaler Rundschau. Nachdem sie den Sänger 1974 persönlich kennengelernt hatte, beschloss sie ein Jahr später, einen Fanclub in Wuppertal zu gründen.

Ruhm mit Kratzern

Die Deutschen wissen, dass Gotts Karriere keineswegs ohne Kratzer verlief – er wurde zu einer Art Schaufenster für das kommunistische Regime. „Sein Verhältnis zum kommunistischen Regime war umstritten. Im Jahr 1977 unterzeichneten er und andere Künstler die so genannte Anti-Charta, die die Kommunistische Partei als Reaktion auf die Bürgerbewegung Charta 77 oppositioneller Künstler und Regimekritiker initiiert hatte. Die kommunistischen Machthaber statteten den inzwischen international beliebten Künstler mit einem dauerhaften Visum aus, das ihm erlaubte, zwischen den politischen Welten zu pendeln,“ bemerkte die Frankfurter Allgemeine Zeitung unter anderem in ihrem Artikel „Botschafter der Musik“.

„Damit gehörte ich zu den wenigen privilegierten Menschen im Ostblock „, erinnerte sich Karel Gott später. “ Ich hatte gewissermaßen Diplomatenstatus.“

Aus der Geschichte von Gott. Foto: Shutterstock