Die Frau, die Essen und Liegestühle verteilt

22. 5. 2018

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Eine inspirative Dame, die die Einstellung der Gesellschaft zum Thema Lebensmittelverschwendung seit längerem nachhaltig beeinflusst und mit ihrem Lieferwagen ausrangierte Gesundheitsmittel aus Skandinavien nach Tschechien bringt, um sie hier kostenlos zu verteilen.

Würden Sie uns kurz Ihre Geschichte erzählen?
Ich bin studierte Soziologin und Psychologin. Angefangen hat es damit, dass ich in der Ukraine dabei geholfen habe, Landsleute von uns von Tschernobyl umzusiedeln. Anschließend kehrte ich in die Tschechische Republik zurück und trat dann der Stiftung Dětský mozek bei. In der Folge organisierte ich am Wochenende Förderaufenthalte für Eltern mit gesundheitlich beeinträchtigten Kindern. Gleichzeitig gab ich ein praktisches Handbuch heraus, das schon wenig später vergriffen war. Von den Eltern erfuhr ich, dass sie nur sehr wenige Gesundheits- und Kompensationsmittel für ihre Kinder zur Verfügung haben. Der Zufall wollte es, dass ich just zu diesem Zeitpunkt mit schwedischen Ärzten zusammentraf, von denen ich erfuhr, dass man in Schweden solche Hilfsmittel kostenlos erhält. Alte Hilfsmittel würden angeblich einfach entsorgt oder als Spenden in andere Länder wandern. Und so begann ich gemeinsam mit meinem Mann, Rollstühle, Krücken, Kinderwagen und verstellbare Betten aus Schweden und Norwegen in die Tschechische Republik zu schaffen. Wir sagen uns dann immer wieder: „Das war jetzt endgültig das letzte Mal!“ Aber dann verteilen wir die Hilfsmittel unter die Leute, und das elektrisiert uns dann wieder so sehr, dass wir dann doch wieder fahren.

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Sie sind die Direktorin der Lebensmittelbank Prag und Mittelböhmen. Wie muss man sich die ganze Sache eigentlich vorstellen?
Wir bekommen die Lebensmittel von den Herstellern dann, wenn zu viel produziert wurde und sie nicht in der Lage sind, die Sachen zu verkaufen. Dazukommen die Lebensmittel von Ladenketten, die diese Waren nicht mehr verkaufen können – etwa, weil das Haltbarkeitsdatum abgelaufen, die Verpackung beschädigt oder die Ware falsch beschriftet ist. Abgeholt und bei uns abgeliefert werden diese Lebensmittel dann von diversen Wohltätigkeitsorganisationen.

Was würden Sie sich für Ihre Lebensmittelbank im Hinblick auf die Zukunft wünschen?
Dass ich mich nicht mit existentiellen Problemen herumschlagen muss. Ich würde in unserem Betrieb gerne eine Küche einrichten, um nicht verwendete Lebensmittel zu verarbeiten. Ein eigenes Catering wäre ein weiterer Wunsch, und schlussendlich würde ich auch gerne ein Bildungszentrum errichten, das auf gesunde Ernährung und Kochen ohne Abfälle ausgerichtet ist, kurz: so eine Art „Zero-Waste-Academy“.

Und was würden Sie unserer Gesellschaft wünschen?
Dass die Leute sich bewusst machen, dass, wenn sie für sich ein gutes Leben wollen, auch anderen Freude machen und etwas Gutes tun müssen. Ich glaube, dass die Sache sehr simpel ist. Die Menschen machen es sich nur leider selbst unnötig schwer. Im Grunde genügt es, Spaß am Leben zu haben und niemandem sein Dasein auf der Erde zu verleiden. Dann ist das Leben gar nicht so schlecht.