WeTravel — Der Perfekte Tag In Beirut

6. 1. 2020

Der perfekte Tag in Beirut beginnt an der Corniche, dem Herz dieser Großstadt mit knapp 360.000 Einwohnern. Hier zeigt sich das Mittelmeer meist von seiner allerbesten Seite. Die Wellen brechen an den schon abgeschliffenen Pigeon-Felsen oder schwappen leicht über den Felsvorsprung, der direkt von der Promenade abgeht. Sonnentage in Beirut sind häufig, und wenn die Sonne scheint, dann scheint sie richtig.

Entlang der Corniche reiht sich ein typisch libanesisches Restaurant ans andere. Der süßliche Geruch nach Apfel und Minze aus den Wasserpfeifen erfüllt die gesamte Uferpromenade. In den Restaurants ist kaum ein Platz zu bekommen. Das Palace Café ist seit Jahren besonders beliebt. Selten schmeckt eine Apfel-Wasserpfeife so gut zu Halloumi, frischem Gemüse, libanesischem Joghurt-Labneh und starkem Mokka. Der Weg vom Palace Café führt mitten hinein in die Glitzerwelt Beiruts. Hier liegen die Yachten im Hafen, die Porsches und Ferraris werden sicher geparkt und die Armani- und Gucci-Tüten sicher transportiert: Willkommen in Zaitunay Bay. Eine Luxuswelt, die wie eine Scheinfassade vor Beirut liegt und die versucht, das zu verdecken, was Beirut eigentlich ausmacht: Die vielen kleinen Gassen, die alten Gebäude, das Wirrwarr auf den Straßen und die traditionellen Unternehmen, die es durch den Krieg geschafft haben und ihre Traditionen so weiterführen, als wären sie niemals erschüttert worden. Gleich danach kommt das belebte Viertel Hamra – tagsüber eine Shoppingstraße, doch bereits mittags wird das Viertel zu einem wahren Boulevard. Dann trifft man sich auf eine schnelle Wasserpfeife, auf einen kleinen, viel zu starken Kaffee oder auf ein echtes Falafel-Sandwich. Das in keiner Art und Weise auch nur ansatzweise mit Falafel von zu Hause in Europa zu vergleichen ist. Liegt es an den Zutaten oder am Ort? Wahrscheinlich an beidem.

Von Hamra aus führt die steile Straße weiter nach Mar Mikhael. Das Viertel ist bereits vor Jahren zum geheimen Zentrum der armenischen Bewohner Beiruts geworden. Heute ist es eine Art Mix aus hippen Cafés, die so auch in Berlin oder Prag stehen könnten, und alten Traditionsbetrieben. Wenn die Sonne langsam untergeht, Beirut in strahlendem Orange leuchtet und die Muezzine zum Gebet rufen, dann ist in dem kleinen Eisladen Mitris an der Ecke am meisten los. Von außen unscheinbar, verbirgt sich innen eine der besten Eis-cremes der Welt. Abends naht hier das pulsierende Nachtleben. Es wird Englisch gesprochen. Das liegt an den vielen Expats, die hierherkommen, an den Studenten, die an der berühmten American University of Beirut studieren, und an den vielen jungen Libanesen, die hier ihren Traum von der eigenen Bar verwirklicht haben. Es sind jene Libanesen, die ihr Beirut lieben und zumeist von Auslandsstudien wiedergekommen sind, um in den von Schusslöchern gezeichneten Gebäuden hippe Bars und Cafés zu eröffnen.

Draußen hupen die Autos wieder andauernd. Ein Abend, der so sehr nach Beirut riecht und klingt, dass er in dieser Form nur hier passieren kann. In einer Stadt, die so bunt, so anders und so vielfältig ist, dass es sich kaum in Worte fassen lässt. Beirut, Du wunderschöner, einzigartiger Mix aus Religionen, Kulturen und Sprachen – Du bist viel mehr als nur das Paris des Orients.

Tim Kerinnis, unser Berliner Mitarbeiter, ist auch bekannter DJ. Den Artikel über Beirut hatte er nach seinem DJ-Auftritt im Libanon geschrieben.
Seine weitere Auftritte können Sie auf hier verfolgen.