Der Botschafter in Berlin machte einen bitteren Witz über die Rolle Tschechiens in den bilateralen Beziehungen

Der zweite Salon in Berlin begleiteten die Melodien eines tschechischen Klassikers und Kreationen aus einer Weltberühmten Kunstglasfabrik. Die Arbeit beider wurde gewürdigt. Die ironische Darstellung des tschechischen Beitrags zu den gegenseitigen Beziehungen durch Botschafter Tomáš Kafka fand jedenfalls große Beachtung.

5. 10. 2021

Botschafter Tomáš Kafka. Foto: Vojtěch Honig

Am vorletzten Septembertag brachte der Berliner Salon zum zweiten Mal Tschechen und Deutsche zusammen, denen die tschechisch-deutschen Beziehungen nicht gleichgültig sind. Botschafter Tomáš Kafka würdigte die Tatsache, dass man 30 Jahre nach der Wende  ein Niveau erreicht habe, das Offenheit und sehr ernsthafte Dialoge erlaube. Er beschönigte die Umstände nicht, wenn er darauf hinwies, dass die Offenheit, mit der Deutschland mit den Tschechen umgeht, nicht immer gerade leicht zu ertragen ist. 

Als Beispiel nannte er die Schließung der deutsch-tschechischen Grenze im Februar dieses Jahres, aus der er ein vielleicht überraschendes positives Fazit zog. „Gegenüber unseren polnischen Freunden oder Frankreich zum Beispiel könnte sich Deutschland eine solche Offenheit nicht leisten“, sagte der Diplomat und verwies auf die Möglichkeit, auf dieser Offenheit aufzubauen.  

Salon in Berlin

„Vielleicht liegt es daran, dass die Erwartungen an die deutsch-tschechischen Beziehungen bescheiden sind, so dass wir im Grunde genommen kein Risiko eingehen, jemanden zu enttäuschen. Wir können also nur angenehm überraschen“, ironisierte er den eigenen Reihen gegenüber und begann erst dann, einem klassischen Diplomaten zu ähneln, als er den kürzlichen Besuch des obersten Staatsmannes lobte und die Auszeichnung für den Schriftsteller Jaroslav Rudiš hervorhob (hier ist das aktuelle Interview mit ihm).

Der Abend, der vom Leiter des Tschechischen Zentrums Berlin, Tomáš Sacher, moderiert wurde, beinhaltete auch Musik des Klassikers Bohuslav Martinů, gespielt von einem  energiegeladenen tschechischen Duo Tomáš und Eva Jamník.

Salon in Berlin

Weiter gings mit  einem Gespräch über Satire zwischen der Initiatorin des Salons, Danuše Siering, und dem Schriftsteller und Botschafter Tomáš Kafka. Letzterer relativierte die Vorstellung vom fröhlichen Švejk, indem er darauf hinwies, dass es ein Fehler sei, Schwejk so zu lesen, wie er von Josef Lada gezeichnet werde.  „Er ist eine sehr zerstörerische Person und in der Tat die wahre ‚lachende Bestie‘, über die schon jemand anderes gesprochen hat“, zerstörte er die Vorstellung, dass der tschechische Schwejk irgendetwas Lustiges an sich hat.  Denn ein ständiger Humor um jeden Preis ist nicht mehr lustig. Mehr über die Unterschiede zwischen tschechischer und deutscher Satire erfahren Sie im kommenden Interview des NN Magazins mit Tomáš Kafka.

Im Rahmen des Salons, an dem Künstler, Architekten, Rechtsanwälte sowie Vertreter eines Prager Rathauses teilnahmen, stellte die Leiterin der Olga-Havel-Stiftung, Marcela von Kayser, aktuelle Wohltätigkeitsprojekte vor.  

Salon in Berlin

Zdeněk Lhotský, ein Glaskünstler, beschrieb die Herstellung eines massiven Sarkophags für das dänische Königspaar, und an den farbigen Stelen (Objekte in der Form von Masten, die aber nichts unterstützen) mit strukturiertem Innenleben, die zum ersten Mal ausgestellt wurden, zeigte er das Ergebnis einer einzigartigen Art der Glasfärbung und des Schmelzens verschiedener neuer Glassorten. „Wenn man es physisch einfärbt, ist es eigentlich tot – es ist nur gefärbt, während man hier einzigartige Dinge erzielt“, wies er auf die verschiedenfarbigen Strukturen des Bienenstocks oder auf Muster hin, die Blütenblättern ähneln könnten.

Der nächste Tschechisch-Deutsche Salon findet im Dezember in Prag statt.

Tomáš Kafka mit Danuše Siering (N&N Czech-German Magazine), die Initiatorin des Salons