Barbara Miller und ihr Vater: Suche nach einem Zuhause

Als es 1967 der jungen Familie wie durch ein Wunder gelang, zwei Ausreisegenehmigungen unabhängig voneinander zu erhalten, wurde entschieden. Dies war der Beginn einer neuen Ära in ihrem Leben, die nicht immer einfach, dafür aber voller Chancen und Herausforderungen war.

6. 9. 2021

Dieses Interview wurde in dem vom N&N Magazine produzierten Buch Die Mauer zwischen uns veröffentlicht, das die Geschichten von Tschechen in Deutschland und Deutschen in der Tschechischen Republik beschreibt und für die Frankfurter Buchmesse 2021 nominiert ist.

Wir kommen in einem Teil Berlins an, wo man sich wie in einem anderen Jahrhundert fühlt. Auf Königssee fällt die Dunkelheit und die beleuchteten Fenster verstärken das Gefühl noch. Die Tür einer minimalistischen, von Grün umgebenen Villa wird uns von einer lächelnden Frau mit einem Heiligenschein aus welligem rotbraunem Haar geöffnet. Wir betreten eine ruhige Arztpraxis, in der uns ein 150 Jahre alter Bronze-Buddha mit einem allwissenden Ausdruck begrüßt. Alles hier ist so seltsam persönlich: Puppenhaus, historische Waage, Vogelkäfig und wilde Äpfel. Barbara bringt uns einen hervorragenden Kaffee aus Wasser voller Edelsteinenergie und erzählt ihre Geschichte in süßem Tschechisch, das sie bewahrt hat, obwohl sie seit fünfzig Jahren im Ausland lebt. Die Geschichte eines kleinen Mädchens, geduckt auf dem Rücksitz eines Autos, in dem sie und ihr Vater die Grenze der Tschechoslowakei überquerten. Die Geschichte einer Frau, die ganz zufällig zur Medizin kam, als sie im Krankenhaus half, um als Physikstudentin zusätzliches Geld zu verdienen. Die Geschichte einer Chirurgin, die das Skalpell abgelegt hat und mit der Berührung ihrer Finger heilt. Wir haben uns einige Jahre lang nicht gesehen, bis sich die Gelegenheit bot, dass ich Barbara und ihren 90-jährigen Vater gleichzeitig interviewen konnte. Diesmal über die Suche nach einem neuen Zuhause und Reisen, die für einen Roman ausreichen würden.

Barbara, Sie sprechen hervorragend tschechisch…

Nach der Emigration bestanden meine Eltern darauf, dass wir zu Hause mit meiner Schwester nur Tschechisch sprechen. Ich war damals wütend auf sie und tobte, aber heute bin ich sehr dankbar dafür. Sonst würde die Muttersprache verschwinden. Ich war sechs Jahre alt, als wir unser Leben in Kanada begannen. Unter Freunden und in der Schule wurde nur Englisch gesprochen. Und die Umgebung hat mich schnell eingezogen.

Vlastimil, es war sicher schwierig, sich von der breiteren Familie zu verabschieden und sich für Emigration zu entscheiden. Was waren Ihre Gründe, das Heimatland zu verlassen?

Am Anfang gab es einen langen Überzeugungsprozess. Meine Frau stammte aus einer Familie von Selbstständigen und befürchtete, dass die Töchter zur Universität nicht gehen dürften, dass sie keine gute Ausbildung bekommen und kein schönes Leben dann führen könnten. Es wäre mir wahrscheinlich nicht in den Sinn gekommen, ich hatte einen guten Job als Maschinenbauingenieur, die Mädchen waren noch klein und ich glaubte, dass alles dann irgendwie gut sein würde …

Aber am Ende hat Sie Ihre Frau überzeugt. Darf ich fragen, was für ein Wunder, dass Sie als ganze Familie ausgewandert sind?

Zu der Überzeugungsarbeit trug wahrscheinlich die Tatsache bei, dass wir mit zwei Kindern in einem Zimmer wohnten und wir waren dort dicht gedrängt. Wir hatten jedoch ein unglaubliches Glück, als wir um Erlaubnis baten, auf Einladung von einer „Tante“ nach Frankreich fahren zu können. Wir haben für alle vier einen Antrag eingereicht: für mich und Barbara, meine Frau und unsere 15monatige Tochter. Normalerweise ließ man nie die ganze Familie ausreisen, immer musste jemand zu Hause bleiben, so dass der Rest der Familie zurückkam. Wir haben überraschend zwei verschiedene Genehmigungen unabhängig voneinander erhalten, jede für eine Hälfte der Familie. Man hat sich wahrscheinlich geirrt, und wir dachten in diesem Moment, wir müssten das ausnutzen. Ich fuhr mit Barbara im Auto und meine Frau mit der zweiten Tochter mit dem Zug.

Barbara erinnern Sie sich an etwas davon?

Ich habe eine Geschichte vom Grenzübertritt, die hat mir aber mein Vater erzählt. Ich habe es als Kind nicht so sehr bemerkt. Papa war sehr nervös, und nachdem der Zollbeamte uns gezeigt hat, dass wir weiter fahren dürfen, schaute Papa in den Rückspiegel und stellte fest, dass der Zollbeamte den Knopf zum Anheben der Schranke nicht gedrückt hat. Papa hatte Angst, dass es ein grausamer Witz war und dass er uns nicht gehen lassen würde, aber dann bemerkte er die Gleise vor uns und es wurde ihm plötzliche klar, dass in dem Zug, auf den man wartete, und der aus Prag nach Nürnberg fuhr, unsere Mutter mit der kleinen Lenka sein sollten, sofern man sie auf der Grenze nicht angehalten hat. Wir schauten, ob wir sie in den Fenstern sehen können, aber der Zug fuhr zu schnell …

Und wo haben Sie sich dann getroffen?

In Nürnberg, am Bahnhof. Dort wartete auf uns auch eine deutsche Familie. Wir haben ihnen vorher mit dem Auto geholfen, als sie in Prag waren und ein Problem hatten. Sie ließen uns zwei Wochen bei sich und dann meldeten wir uns als politische Flüchtlinge im Lager in Zirndorf an. Meine Frau wollte nach Amerika, was sich als schwierig herausstellte. Man musste dort einen Garant haben, der sich dafür verbürgte, dass er unsere Familie finanziell unterstützen würde, wenn ich nicht imstande war, sie zu ernähren. Also haben wir uns für Kanada entschieden und den Antrag gesendet. Im Februar 1968 bestiegen wir ein Flugzeug nach Montreal. In Ontario wartete ein Beamter und brachte uns nach Windsor, an der Grenze zu Amerika, in ein billiges Hotel, wo man nicht genug heizte und es war uns dort wirklich sehr kalt. Die jüngere Tochter bekam damals in der Nacht Erfrierungen im Gesicht, als die Temperatur sank, und sie verlor Beweglichkeit in einer Gesichtshälfte. Man nennt es dort die Krankheit der kanadischen Penner. Wenn sie draußen auf einer Bank schlafen, passiert ihnen oft dasselbe. Wir waren furchtbar erschrocken und ich verfluchte den Tag, an dem wir uns entschieden zu emigrieren. Wir haben dann das letzte Geld für Medikamente gegeben, im Laufe der Zeit kam es zu einer Verbesserung, aber leider hat die jüngere Tochter immer noch leichte Folgen.

Barbara, und wie waren die Anfänge in Kanada für Sie?

Ich war damals schon größer und nahm alles als Abenteuer, ich lernte sehr schnell Englisch, ich ging zur Schule, wo es mir gefiel. Nur ganz am Anfang, als der Beamte uns mit dem Auto vom Flughafen fuhr, fragte er mich, ob ich wüsste, was ein Fernseher sei. Das hat mich wirklich beleidigt und ich habe überhaupt nicht verstanden, was er von uns hielt.

Vlastimil, Barbara lernte sehr schnell Englisch und konnte natürlich mit der Umgebung verschmelzen. Sie hatten kein Problem mit der Sprachbarriere?

Zum Glück nicht, an der Uni habe ich einen Amerikaner kennengelernt, der zu uns kam, slawische Sprachen zu studieren, aber in Wirklichkeit war er ein Spion. Wir waren Mitbewohner und hatten eine Vereinbarung getroffen, dass wir an geraden Tagen zusammen Tschechisch und an ungeraden Tagen Englisch sprechen würden. Während des Krieges hatte ich am Gymnasium alle Fächer auf Deutsch und an der Handelsschule lernte ich Spanisch. Diesbezüglich hatte ich nie ein Problem.

Wie sind Sie schließlich wieder nach Europa gekommen – nach Deutschland?

Die Reise war ziemlich lang und ich gebe zu, dass es für mich persönlich ein schwieriger Schritt war. Nach einer Zeit, als ich in Kanada eine minderwertige Arbeit hatte, lächelte mich das Glück an, und ich kriegte einen Job in der Entwicklungsabteilung von Chevrolet in Detroit, das war am anderen Ufer des Flusses, also zogen wir nach Amerika. Später arbeitete ich an der Entwicklung der ersten Airbags. Ich hatte Glück und gute Ergebnisse. Stellen Sie sich vor, wir haben damals als Ingenieure die Funktionalität des Airbags direkt an sich getestet und Crashtests durchgeführt, bei denen wir dort saßen, wo sich heute die Testpuppen befinden. Die Arbeit hat mir aber Spaß gemacht, und meine Karriere begann sich vielversprechend zu entwickeln. Zuerst sah alles perfekt aus, aber dann bekam Barbara Asthma. In Michigan ist es im Sommer sehr schwül und Menschen leiden häufig an dieser Krankheit, und Ärzte haben uns mitgeteilt, dass das Klima für unsere Tochter nicht geeignet ist. Sie schickten uns in die Wüste, nach Arizona, wo es eine bessere Umgebung für Asthmatiker gibt. Meine Frau wollte es jedoch nicht und kam auf die Idee, dass wir nach Europa zurückkehren würden. Sie war sehr besorgt um Barbara …

Sie mussten also wieder von Null anfangen …

Ja, die ganze Verantwortung für den Unterhalt der Familie lag bei mir. Ich habe über ein Stellengesuch einen Job in Deutschland gefunden und am Ende hatten wir ziemlich Glück, weil auch eine Firmenwohnung frei wurde. Es war der zweite Start mit zwei kleinen Kindern und wir hatten niemanden, auf den wir uns stützen konnten. Wir hatten nur ein paar Freunde und es ging ihnen oft noch schlimmer als uns…

Barbara, und wie haben Sie sich mit einem weiteren Umzug, dem Verlust von Freunden und der neuen Sprachumgebung abgefunden?

Ich war zwölf, ich war beleidigt und verstockt und ich habe die deutsche Sprache völlig ignoriert. Ich war verärgert, dass man mir meine Freunde genommen hat…

Wie lange dauerte bei Ihnen dieses Verhalten?

Ich habe fast eineinhalb Jahre verloren. In Deutschland gibt es drei Schulstufen, und meine Eltern haben mich in die niedrigste Stufe versetzt, die mit der achten Klasse endet, so dass ich schnellstmöglich Deutsch lernte. Meine Mutter war ungeduldig, denn die Zeit des Übergangs zum Gymnasium rückte näher und näher, und ich konnte immer noch nicht Deutsch sprechen. Als ich endlich aufgehört habe, alles zu sabotieren, behauptete mein Lehrer weiterhin, dass es keine Rede vom Übergang zum Gymnasium sein könnte, weil ich niemals Deutsch lernen würde, und dass ich wegen Mathe sitzenbleiben würde. Papa bestand darauf, dass wir die Entscheidung des Lehrers akzeptieren sollten, aber Mama setzte schließlich ihren Willen durch. Zehn Jahre später, als ich bereits an der Uni Physik studierte, erzählte mir dieser Lehrer bei einem Klassentreffen, dass er immer an meine Fähigkeiten glaubte…

Warum gerade Physik, was hat Sie daran gereizt?

Diese Beziehung zu technischen Dingen, das habe ich wahrscheinlich von meinem Vater. Ich war die erste Tochter und er wünschte sich so viel einen Jungen zu haben, so hat er mich wie einen Jungen erzogen. Dank dessen habe ich viele Dinge gelernt, die ich nicht gelernt hätte, hätte er einen Sohn gehabt und ich zum Beispiel sein zweites Kind gewesen wäre. Ich träumte von Wissenschaft und liebte Physik.

Am Ende haben Sie während Ihres Physikstudiums noch mit der Medizin begonnen …

In der Zeit der Erlangung der Unabhängigkeit von meinen Eltern begann ich während des Studiums im Krankenhaus mitzuhelfen, und dort wurde die Idee geboren. Ich habe es immer gemocht, bei Bedarf kleinere Verletzungen zu behandeln. Nach Physik hat mir dies am meisten Spaß gemacht. Als ich klein war, war ich bei den Pfadfindern und dort wurde mir immer das Erste-Hilfe-Set anvertraut. Und als ich während meines Studiums Geld verdienen brauchte, absolvierte ich einen Kurs und wurde Krankenschwester-Assistentin. Ich arbeitete Nachtschichten in der Notaufnahme, und wenn es keine Arbeit gab, las ich Krankenakten und war verärgert, dass ich nicht alles verstand. Damals kam mir der Gedanke, dass ich mich für das Medizinstudium anmelden würde. In demselben Jahr wurde ich angenommen, was ein unglaubliches Glück war, aber bei der Einschreibung hat man mir gesagt, dass ich zwei so anspruchsvolle Bereiche gleichzeitig nicht studieren könnte. Es wäre notwendig, Physik offiziell zu verlassen. Mit der Erlaubnis des Physikprofessors nahm ich jedoch weiterhin an allen Vorlesungen teil und es geling mir am Ende beide Diplome gleichzeitig zu erkämpfen. Ich habe gleichzeitig die Diplomprüfung in Physik bestanden und in Medizin promoviert. Es gelang mir als der ersten Studentin in der Geschichte meiner Alma Mater.

Und wie wird aus einem Chirurgen jemand, für den die konventionelle Medizin nicht mehr ausreicht?

Der Beginn meines Interesses an alternativen Behandlungsmethoden hat seine Wurzeln auch in den Tagen des Studiums, als ich unter schrecklichen Migränen litt und nichts half mir. Ich habe alle verfügbaren Mittel der klassischen Medizin ausprobiert, sogar völlig neue Medikamente an mir selbst getestet, und es machte mir überhaupt nichts aus, dass sie anstelle eines Zertifikats viele Nebenwirkungen hatten. Bis mir einmal während des Praktikums im Operationssaal ein Kollege anbot, mir Akupunktur zu machen. Ich dachte, es wäre Unsinn, aber ich meinte, dass es nicht schlimmer sein könnte. Abends steckte er mir bei ihm in der Küche Nadeln in die Ohren, Hände und Rücken, und es hat mir damals wirklich geholfen. Seitdem, und es sind bereits fünfunddreißig Jahre, habe ich nicht mehr an Migräne gelitten.

Wie haben Sie die Tatsache aus der Sicht eines Physikers gesehen, dass Ihnen ein paar Nadeln geholfen haben?

Ich bin so ein Typ, der für alles eine logische Erklärung braucht. Mit der Zeit begann ich jedoch manche Erscheinungen anders wahrzunehmen. Wenn etwas meinen Patienten hilft, verwende ich es, obwohl ich nicht genau erklären kann, wie es funktioniert. Zum Beispiel mache ich Energietherapie, die auf der Stimulation der Akupressur-Punkte basiert. Am Anfang waren die Ergebnisse für mich absolut unglaublich. Ich stimuliere verschiedene Punkte, lasse den Menschen die Affirmationen wiederholen und ich kann ihn sehr oft zum Beispiel von der Phobie, die er sein ganzes Leben lang hatte, in fünfzehn Minuten befreien. Ich habe 1998 in Amerika angefangen, es zu lernen, und damals gab es nur zwei andere Leute in Europa, die das konnteN&Nbsp;- eine Dame in England und ein Gentleman in der Schweiz.

Derzeit ist diese Methode bereits sehr verbreitet. Wie betrachten Psychologen und Psychiater die Ergebnisse in der Praxis?

Sie ignorieren sie, auch wenn man den Erfolg wirklich sofort sehen kann. Zum Beispiel können Sie das posttraumatische Syndrom oft während einer einzigen Sitzung loswerden.

Haben Sie die Chirurgie als solche vollkommen verdammt? Immerhin haben Sie einen Teil Ihres Lebens mit einem Skalpell in der Hand verbracht…

Überhaupt nicht. Es ist ein sehr wichtiger Bereich und ich rate meinen Patienten nie von den Eingriffen ab, die wirklich nötig sind. Man muss immer unterscheiden, ob es sich um ein akutes Problem handelt, das radikal angegangen werden muss, oder ob es einen anderen Weg gibt. Ich bin mit einem Rettungshubschrauber geflogen, zu Verkehrsunfällen auf der Autobahn; dort müssen Entscheidungen schnell getroffen werden, und ohne Chirurgen wären viele Menschen nicht mehr unter uns. Darüber hinaus, seit ich damals täglich Autowracks gesehen habe, fahre ich am liebsten mit meinem Smart. Auf den ersten Blick sieht er nicht so aus, aber er ist viel sicherer als ein normales Auto. Er hat einen speziellen schützenden Tridion-Rahmen, eiförmig, das ist eine der stabilsten Formen. Und auch hier spielt meine Liebe zur Physik eine Rolle…

Vlastimil, für Sie als Maschinenbauingenieur waren Autos buchstäblich Ihr Leben…

Ja, ich liebte Autos und wäre ich in Amerika geblieben, hätte ich wahrscheinlich eine großartige Karriere gemacht. Dort ist entscheidend, was man tun kann und sein Engagement sowie harte Arbeit, und nicht welche Schulen man hat. In Deutschland war es dann anders. Mit sechsundvierzig fing ich wieder von Null an und musste wegen meiner Familie schnell Entscheidungen treffen. Ich konnte nicht warten, bis ein interessanter Job auftaucht, ich musste nehmen, was es gerade gab …

Neben der Tatsache, dass ich Autos mag, habe ich natürlich immer gerne Autos gesteuert. Heute kann ich es nicht mehr und ich vermisse es sehr. Ich hatte einen Schlaganfall und seitdem sehe ich alles wie im Nebel. Eine schreckliche Erfahrung war für mich, als ich mein letztes Auto verschrotten lassen musste. Es war fast, als ob ich ein Kind verlor. Ich liebte den alten Skoda Felicia sehr viel.

Barbara hat mich neulich sehr glücklich gemacht: sie ließ mich für eine Weile hinter dem Lenkrad sitzen, auf einer wenig befahrenen Straße. Nach langer Zeit war es für mich ein starkes Erlebnis.

Was fehlt Ihnen noch?

Verwandte, Geburtshaus, Eltern, die nicht mehr leben. Zum Beispiel nur zwei Jungen und ein Mädchen aus meiner Abiturklasse leben noch. Ich lebe viel in Erinnerungen, in denen es keinen Nebel gibt, und wo ich alles so sehe, wie ich es erlebt habe.

Haben Sie in Deutschland ein Zuhause gefunden?

Nein, leider fühle ich mich hier nicht zu Hause. Ich mochte sehr meine Heimatstadt Ostrava, fühlte mich dann aber auch in Prag zu Hause, wo ich glückliche Jahre erlebte. Vielleicht wenn wir in Amerika geblieben wären; aber hier ich konnte keine Wurzeln schlagen.

Barbara, aber Sie betrachten Deutschland als Ihr Zuhause, ist es so?

Ich habe hier zwar geheiratet und meine Kinder sind hier aufgewachseN&Nbsp;- ich bin hier zufrieden. Aber ich fühle mich immer noch wie eine Tschechin und habe mich nie dafür geschämt. Ich war immer stolz darauf. Ich habe es nie verstanden, wenn manche unserer Landsleute nicht wollten, dass man von ihnen wusste, woher sie kommen.

Wie oft kommen Sie nach Tschechien?

In den letzten Jahren ziemlich oft, da ich an der Akademie für Heilernährung unterrichte, ich habe Vorlesungen und Kurse, und nehme an Kongressen und Konferenzen teil, und ich bin froh, dass ich auch mein Tschechisch verbessern kann.